Hallo liebe Unterstützer,
für das Infozine „kleeBLATTstadt 907 (KBS)“ der Gruppe Stradevia 907 der SpVgg Fürth standen wir in einem Interview Rede und Antwort.
Danke an Stradevia 907 für die Genehmigung zur Veröffentlichung des Interviews!
KBS: Hallo! Zunächst möchten wir uns bei euch bedanken, dass ihr euch die Zeit nehmt unseren Lesern einen Einblick in eure Initiative zu gewähren.
Erzählt uns doch als erstes, wie sich das VfB-Wappen über die Jahre verändert hat und mit welchem Hintergrund der Verein dies tat?
Pro Altes VfB-Wappen: Das Wappen des VfB war schon immer gewissen Änderungen unterworfen. Man kann die Geschichte der Wappen dabei grob in drei Phasen gliedern. Von 1910-1946 trat der VfB mit dem Wappen des Hauses Württemberg auf den Trikots auf. Als Treuebekenntnis zum König und der württembergischen Heimat trugen die Mannen traditionsbewusst die schwarzen Geweihstangen auf gelbem Grund.
Ab 1949 ist der VfB ein gewachsener Verein und besitzt das Selbstbewusstsein sowohl die drei Buchstaben des Vereinsnamens, das Gründungsdatum des Vorgängervereins FV Stuttgart 1893 und das Bekenntnis zur Heimat Württemberg im Wappen zu vereinen. Diese Vereinheitlichung bleibt bis in die 1990er Jahre. Zwar gab es auch in dieser Phase leichte Veränderungen am Wappen (besonders der Abstand zwischen den Zahlen usw), aber dieses Zusammenspiel der drei Elemente Schriftzug, Jahreszahl und Württemberg wurde immer beibehalten.
Nach 1994 veränderte sich das VfB-Wappen. Die Geweihe wurden verformt und die Farbe der Umrandung verändert. In den Folgejahren wird zudem die Zahl 1893 durch den Stadtnamen Stuttgart ersetzt. Auch der schnörkelige Schriftzug VfB verliert an Form und Wirkung. Heraus kam ein Wappen, das Anforderungen des Marketings entspricht.
Begründet wurde dieser – in der Fanszene schon von Beginn an umstrittener – Schritt damit, dass der VfB jetzt den asiatischen Markt erobern wolle. Dies gehe nur, wenn der Name Stuttgart, die durch ihre wirtschaftliche Entwicklung und Standort verschiedenster Industriegrößen bereits in Asien bekannt war, im Wappen auftaucht und man somit den Bezug des VfB zu Stuttgart herstellt. Heute kann man konstatieren, dass der asiatische Markt nun nicht gerade vom VfB erobert wurde und auch in Shanghai nicht jedes kleine Kind im VfB-Trikot rumrennt. Sogar die heutigen Marketingverantwortlichen des VfB bezeichnen diese damalige Begründung heute als vorgeschoben.
KBS: Vor gut eineinhalb Jahren trat die Initiative zum ersten Mal in Erscheinung. Was waren die Beweggründe nun offensiv für das traditionelle VfB-Wappen zu kämpfen und von welchen Gruppen ging dies aus?
Pro Altes VfB-Wappen: Das Thema zur Rückgewinnung des Wappens ist in der VfB-Fanszene schon so alt wie die Veränderung. Früh nach dem schleichenden Veränderungsprozess fanden sich erste lose Initiativen. Das Engagement war vorhanden und es gab unter dem damaligen Präsidenten Meyer-Vorfelder sogar das Versprechen, dass die Veränderung des Wappens zurückgenommen wird. Leider hielt der Präsident nicht sein Wort. Das Thema war auch in den Folgejahren immer in Bad Cannstatt präsent. Allerdings fehlte eine Initiative, die das Thema in die Hand nahm. Die Sommerpause 2010 war dann der Startschuss für die Initiative, die aus Mitgliedern des Schwabensturm 02 hervorging. In vielen Gesprächen in der Sommerpause wurde deutlich, dass dieses Thema weiter ein ganz wichtiges ist und endlich noch einmal in den Fokus gerückt werden soll. Seit der letzten großen Änderung ist über ein Jahrzehnt vergangen. Gerade viele junge VfB-Fans haben das traditionelle Wappen nicht mehr erlebt und sind mit dem neuen marketingorientierten Wappen groß geworden. Uns wurde bewusst, dass wir vielleicht zu diesem Zeitpunkt die letzte Chance haben nochmals mit einer gebündelten Aktion und einer gewissen Ausdauer unser Ziel zu erreichen.
KBS: Sind seit dem Startschuss weitere Gruppen bzw. auch Einzelpersonen der Initiative beigetreten und wie kann man sich die Arbeitsaufteilung innerhalb von „Pro Altes VfB-Wappen“ vorstellen?
Pro Altes VfB-Wappen: Vor dem Heimspiel gegen Leverkusen in der Saison 2010/2011 veröffentlichten wir unser erstes Schreiben, das an den Fanausschuss des VfB Stuttgart und die Offiziellen Fanclubs (OFCs) herangetragen wurde. Für uns war von Beginn an klar, dass dies keine Aktion aus der Ultrasszene sein soll, sondern wir für einen Erfolg eine breite Basis der VfB-Fans benötigen. Dies haben wir auch stets deutlich so kommuniziert. Schnell fanden sich viele OFCs, die uns aktiv unterstützt haben. Die Initiative wird momentan federführend weiter von Mitgliedern des Schwabensturm 02 betrieben, in den vergangenen Monaten kam zudem eine Unterstützung durch das Commando Cannstatt zu Stande. Die Absprache untereinander funktioniert reibungslos. Die Gruppen informieren sich gegenseitig wenn Aktionen anstehen und es gibt regelmäßige Besprechungen welche Aktionen in der nächsten Zeit anstehen. Außerhalb dieser beiden Gruppen ist die Unterstützung relativ überschaubar. Einige Einzelpersonen beteiligten sich zwar auch an der Unterschriftensammlung, aber viele Fans und Fanclubs warten momentan eher ab, wie sich das Ganze entwickelt.
KBS: Eines eurer Ziele ist es 25.000 Unterschriften zu sammeln. Aktuell habt ihr davon 95% erreicht. Welcher Hintergrund steckt hinter dieser Unterschriftensammlung?
Pro Altes VfB-Wappen: Inzwischen haben wir die 100% sogar voll gemacht . Zur Beantwortung müssen wir ein wenig weiter ausholen. In der Hinrunde der Saison 2010/2011 sammelten wir schon das ein oder andere Mal sporadisch Unterschriften für das alte Wappen. Dabei kamen knapp 1.000 zusammen. Auf Grund der katastrophalen sportlichen Situation des VfB legten wir die Initiative in der Rückrunde 2010/2011 aber auf Eis. Wir haben immer betont, dass wir gemeinsam mit dem Verein ausloten wollen, welche Möglichkeiten zur Rückkehr zum alten Wappen es gibt. Deshalb setzten wir den Fokus in besagter Rückrunde auf den Kampf um den Klassenerhalt und wollten nicht weiter auf Nebenkriegsschauplätze setzen. Nachdem der Klassenerhalt am vorletzten Spieltag perfekt gemacht wurde, begannen aber unsere Planungen für eine Art Neustart. Viele Ideen wurden zusammengetragen und auch immer wieder die Frage aufgeworfen, wie dem Verein gezeigt werden kann, dass es eben nicht nur wenige hundert VfB-Fans sind, die sich für das traditionelle Wappen aussprechen. Die Idee der Unterschriftensammlung kam schnell wieder auf nur dieses Mal mit einem konkreten Ziel formuliert, um die oftmals lethargische Fanszene des VfB Stuttgart aufzuwecken. Damit stellte sich die nächste Frage: Was ist realistisch? Wie viele Fans können wir zu einer Unterschrift bewegen? Uns war klar, dass es ein deutliches Zeichen sein muss. Da bei einer potentiellen Abstimmung unter den Mitgliedern eine Mehrheit für das traditionelle Wappen zusammenkommen sollte, gingen wir von der aktuellen Mitgliederzahl des VfB aus. Diese lag in der Sommerpause 2011 zwischen 40.000 und 45.000. Also rundeten wir etwas auf und kamen auf 25.000 zu erreichenden Unterschriften. Nach etwas holprigem Start wurden uns bald deutlich, dass das Ziel nicht unrealistisch ist und durchaus erreicht werden kann. Beim Heimspiel gegen Mainz sammelten wir die 25.000. Unterschrift. Diese beeindruckende Zahl blieb natürlich auch dem VfB nicht verborgen. Das Ziel, die Verantwortlichen im Verein für dieses Thema zu sensibilisieren wurde voll erreicht. Ein großer Teil der VfB-Fans steht hinter der Initiative und unterstützt sie.
KBS: Anhand dieser Zahlen sieht man, dass nicht nur ihr hinter diesem Vorhaben steht. Gibt es aber auch kritische Stimmen aus den Reihen der Anhänger die das neue Wappen z.B. schöner finden bzw. andere Themenfelder als wichtiger betrachten?
Pro Altes VfB-Wappen: Kritische Stimmen gibt es natürlich und auch die Auseinandersetzung mit diesen Meinungen ist für uns sehr interessant. In den Gesprächen machen wir deutlich, dass die Schönheit des Wappens nicht das ausschlaggebende Argument sein kann (zumal das traditionelle Wappen besser aussieht ). Es geht darum, dass in Zeiten von Produkten und Krankheiten wie Hoffenheim und RB Leipzig, unsere Vereine ein Zeichen setzen und sich auf die Tradition besinnen und die Geschichte wertschätzen. Diese Möglichkeit der Abgrenzung gegen den modernen Fußball muss genutzt werden. Wir fordern vom VfB ein klares Bekenntnis zu seiner Tradition und zur Geschichte. Das Wappen ist eines der Aushängeschilder eines Vereins. Es darf nicht für Marketingzwecke missbraucht werden. Es erzählt die Geschichte des Vereins für Bewegungsspiele 1893. Diese Argumente versuchen wir den kritischen Stimmen deutlich zu machen. Um mal eine Einordnung zu geben: Auf 10 angesprochene Personen für Unterschriften, sprechen sich etwa 7 für das Wappen aus und 3 stehen der Initiative eher kritisch gegenüber oder wissen nicht einmal, dass der VfB sein Wappen geändert hat. Wir sehen uns in diesem Bereich also auf einem ganz guten Weg.
KBS: Bei der Unterschriftensammlung muss man auch mit angeben, ob man Mitglied im Verein ist oder nicht. Wie wichtig ist es aus eurer Sicht als aktive Szene Mitglied im Verein zu sein?
Pro Altes VfB-Wappen: Wir sehen es als sehr wichtigen Punkt Mitglied im Verein zu sein und werben dafür auch aktiv. Nur als Mitglied wird es letztlich die Möglichkeit geben über das Wappen abzustimmen. Aber es geht natürlich auch über das Wappen hinaus. Die einzige Möglichkeit Veränderungen in einem Verein durchzuführen gelingt über die Mitgliedschaft – schließlich ist die Mitgliederversammlung das höchste Organ. Um Änderungen wirklich herbeiführen zu können, ist es wichtig, dass die Unterstützer auch Mitglieder im Verein sind. Nur dann hat man realistische Chancen etwas zu verändern und nicht nur über „die da oben“ zu meckern.
KBS: Gebt uns doch mal einen kleinen Überblick über eure Aktionen, die ihr im Stadion durchgeführt habt (Choreos, Spruchbänder, Infostände, usw.).
Pro Altes VfB-Wappen: Vor dem offiziellen Startschuss beim Heimspiel gegen Leverkusen in der Saison 2010/2011 gab es zu Saisonbeginn eine kleinere Aktion in Mainz unter dem Motto „Denn Tradition muss Sieger sein!“. Beim oben genannten Spiel gegen Leverkusen hing in der Untertürkheimer Kurve (auf Grund des Umbaus des Neckarstadions die damalige „Heimkurve“) schon zur Stadionöffnung ein Spruchband, das auf die Initiative hinwies. Seit dem gibt es zu den meisten Heimspielen Spruchbänder in unterschiedlicher Form, diese alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Etwas größer angelegt waren die Choreographien für das alte Wappen. Beim Spiel in Hamburg in der Saison 2010/2011 gab es eine Choreo für die Wahrzeichen der Geschichte des VfB: Neben den Vereinsfarben weiß und rot war auch der für Stuttgart klassische Brustring und natürlich das traditionelle Wappen zu sehen. Eine weitere etwas größere Aktion fand vor einigen Wochen bei unserem Auswärtsspiel in Hannover statt. Der komplette Block wurde mit Pappwappen mit dem traditionellen Wappen ausgefüllt und gab so ein deutliches Bekenntnis ab.
Eine weitere erwähnenswerte Aktion fand im Herbst 2010 statt. Viele Fanclubs hatten auf ihren Zaunfahnen unterschiedliche Wappen verwendet. Wir boten den OFCs an gemeinsam mit ihnen Zaunfahnen und Schwenkfahnen mit dem aktuellen Wappen zu versehen. Das Angebot wurde allerdings kaum genutzt – denn die Fanclubs selbst passten ihre Fahnen an! Inzwischen sind die Zaunfahnen, Doppelhalter und Schwenkfahnen – mit ganz wenigen Ausnahmen – mit dem alten, traditionellen Wappen versehen. So zeigt unsere Kurve eindeutig ein Bekenntnis zum Traditionswappen des VfB.
Seit dieser Saison sind wir auch mit Infoständen in der Cannstatter Kurve aktiv. Durch den Umbau des Neckarstadions ergab sich die Möglichkeit mit der Initiative im Fanstand präsent zu sein und einen dauerhaften Anlaufpunkt zu schaffen. Dort haben alle Besucher der Cannstatter Kurve vor dem Spiel die Möglichkeit Fragen zu stellen, sich über aktuelle Themen aus der Initiative zu informieren oder ihre Unterschrift für das alte Wappen abzugeben.
KBS: Neben den Aktionen im Stadion wart ihr auch in der Stadt aktiv. So habt ihr auch dort mit Infoständen über euer Anliegen informiert. Gab es weiterer solcher Aktionen um auch die nicht VfB Anhänger in Stuttgart zu erreichen?
Pro Altes VfB-Wappen: Zunächst richteten wir unseren Fokus auf den Stadtteil Bad Cannstatt in dem der VfB beheimatet ist. Neben den von Euch bereits erwähnten Infoständen setzten wir einen Schwerpunkt auf die dort ansässigen Kneipen. Wer schon einmal an Spieltagen durch unseren Stadtteil gelaufen ist hat dort mit Sicherheit die große Anzahl an Kneipen gesehen, die sich durch Fahnen dem VfB verbunden fühlen. Diese Kneipen sind DIE Anlaufpunkte der VfB-Fans. Umso wichtiger war es, dort präsent zu sein. Um die Initiative bei den Wirten bekannt zu machen setzten wir einige Kneipenabende an. Allen Wirten schenkten wir neben diversen Unterschriftenlisten eine Fahne mit dem alten Wappen und dem Link auf www.pro-altes-vfb-wappen.de. Die Resonanz dabei war echt beeindruckend, keine Diskussionen und kein Wirt lehnte es ab, die meisten sprachen uns Mut zu und hielten es für eine Selbstverständlichkeit Unterschriften für uns zu sammeln. Somit waren und sind wir in Bad Cannstatt selbst also durchaus in Erscheinung getreten.
Was die Stadt Stuttgart angeht blieben wir auch nicht untätig. Schon in den ersten Monaten starteten wir eine Flyeroffensive und legten diese in zig Geschäften, Bars, Kneipen, Kinos, Kultureinrichtungen und sonstigen Institutionen aus.
Da dies aber nun schon auch einige Zeit her war und wir langsam in die entscheidende Phase der Initiative kommen, gab es vor ein paar Tagen eine Art Flashmob durch die Stuttgarter Innenstadt. Dort präsentierten wir mit Fahnen und Gesängen auf bunte Art und Weise die Initiative und stellten den zahlreichen Passanten uns und unsere Ansichten vor. Auch dort war die Resonanz zum großen Teil richtig positiv – darauf lässt sich mit Sicherheit weiter aufbauen.
KBS: Sicherlich werden auch die Medien von eurer Initiative mitbekommen haben. Wie sieht die Berichterstattung diesbezüglich aus, eher positiv oder negativ?
Pro Altes VfB-Wappen: Auch bei der Medienpräsenz hat sich in den letzten Wochen einiges getan. Zu Beginn wurde die Initiative wohl eher belächelt und nicht für ganz ernst genommen – besonders auch durch das Einstellen zur Rückrunde 2010/2011 gab es deswegen nicht wirklich eine große Präsenz. Dies hat sich jetzt gewandelt. Gerade die Stuttgarter Zeitung und das Stuttgarter Wochenblatt haben mit großen und für uns durchaus positiven Artikeln auf die Initiative hingewiesen. Zudem gab es weitere Anfragen, allerdings alle aus der Region Stuttgart. Aber auch im Haller Tagblatt gab es nach unserer Diskussionsrunde dort einen interessanten Artikel. Es liegt sicher auch an uns noch aktiver auf die Medien zuzugehen. Vom Rundfunk wurde uns allerdings beispielsweise relativ deutlich gemacht, dass das Thema keine Relevanz hat und kein Interesse an einer Berichterstattung aktuell gibt. Vielleicht ändert sich dies aber auch in den kommenden Wochen.
KBS: In den letzten Wochen gab es mehrere Diskussionsrunden in Stuttgart und Umgebung. Wie viele Personen habt ihr mit den Runden erreicht und wie fällt euer Fazit über diese Abende aus?
Pro Altes VfB-Wappen: Insgesamt führten wir 4 dieser Diskussionsrunden in allen Teilen von Württemberg durch. Wir setzten uns vorab mit den großen OFCs dieser Regionen in Verbindung und organisierte so in Oberschwaben, in der Heilbronner Gegend und in Schwäbisch Hall drei Termine, sowie einen großen Abschlusstermin in Stuttgart. Das Fazit fällt komplett unterschiedlich aus. Bei den ersten Abenden in Oberschwaben und Heilbronn war die Schar der Zuhörer noch sehr überschaubar und für uns ein kleiner Rückschlag. Dennoch gab es einige interessante Anregungen für uns. Deutlich positiver verliefen die folgenden Abende. In Schwäbisch Hall war neben knapp 40 VfB-Fans auch wie oben erwähnt die Presse vor Ort. Gerade hier bekamen wir auch von älteren Mitgliedern des VfB große Unterstützung. Dadurch wird deutlich, dass das Thema eben nicht nur die „Jungen“ interessiert, sondern durch die komplette Fanszene des VfB geistert. Die Abschlussveranstaltung in Stuttgart übertraf dann unsere Erwartungen. Der angemietete Raum einer Gaststätte platzte aus allen Nähten, über 100 Interessierte hatten sich eingefunden. Darunter auch einige ältere VfB-Mitglieder, die sich über die Initiative informieren wollten. Kurzzeitig geisterte auch das Gerücht, dass VfB-Präsident Mäuser teilnehmen möchte, dies stellte sich aber als falsche Information heraus. Dafür war bei fast jedem der Treffen einer der VfB-Fanbeauftragten vor Ort. So wollten sich die handelnden Personen beim VfB einen Eindruck von den Diskussionsrunden verschaffen. Insgesamt bleibt ein durchschnittliches Fazit, die zwei schwachen Abende zu Beginn glichen die beiden anderen aus. Für uns war es trotzdem wichtig auch mit den Fans in den Regionen ins Gespräch zu kommen und uns vorzustellen und bekannter zu machen. Dies dürfte mit Abstrichen gelungen sein.
KBS: Wie sehen eigentlich die Reaktionen im Verein aus? Gibt es eine realistische Chance zum alten Wappen zurückzukehren und wenn ja wie wäre dies möglich?
Pro Altes VfB-Wappen: Wenn Ihr uns diese Frage im Herbst 2010 nach einem ersten Treffen mit Marketing-Vertretern des VfB gestellt hättet, wäre die Antwort eine komplett andere gewesen wie jetzt. Dort wurde uns relativ deutlich gemacht, dass es die Chance auf eine komplette Rückkehr zum Wappen nicht gibt und man allenfalls irgendwo Kompromisse finden kann (z.B. die Traditionsmannschaft mit dem Wappen auflaufen zu lassen). Dennoch gab es auch zu dieser Zeit schon Lob für das Engagement und das offene Umgehen mit dem Verein. Zwei Fügungen kann man rückblickend als Wende in der ganzen Geschichte betrachten. Zum einen war der oben bereits erwähnte Abstiegskampf in der Rückrunde 2010/2011. Wie uns mehrfach mitgeteilt wurde, hat es den VfB sehr beeindruckt, dass wir unser Versprechen wahr gemacht haben und die Initiative hinten angestellt haben. Zudem kam es im Sommer 2011 auf einer turbulenten Mitgliederversammlung zur Wahl eines neuen Präsidenten (Gerd Mäuser). Und so sehr er sonst in der Kritik steht (teilweise auch zu Recht!) – aus Sicht der Initiative war das gut. Ein Neuer – bei diesem Thema unbelasteter – der dieses Thema geklärt haben wollte. Dazu kamen der Aufschwung und der große Rückhalt, den unsere Initiative erfuhr. Der Präsident brachte dann über die Presse zum Ausdruck, dass er das Thema mit einer Abstimmung unter den Mitgliedern klären wollte. Vor einigen Wochen kam es zu einem weiteren Treffen zwischen Marketingvertretern und „Pro altes VfB-Wappen“. Dort wurden uns die Vorstellungen des Vereins mitgeteilt wie eine solche Abstimmung ablaufen soll. Inzwischen ist man auch dort der Vorstellung zur Rückkehr zum alten Wappen nicht mehr abgeneigt. Ein für uns riesiger Erfolg, den wir natürlich weiter kritisch begleiten. Der Vorstand möchte das Thema am liebsten in einem Online-Forum für Mitglieder klären und abstimmen, aus unserer Sicht kommt aber eher die Mitgliederversammlung in Frage. Schließlich ist sie das höchste Organ des Vereins. Genauso Gesprächsbedarf besteht noch bei der Abstimmungsprozedur. So erwägt der Verein ein „Mischwappen“ zur Wahl zu stellen, dies kommt aus unserer Sicht aber überhaupt nicht in Frage und widerspricht komplett den Grundeinstellungen der Initiative. Wir bleiben aber natürlich auch bei der Thematik am Ball und sind guter Dinge.
KBS: Zum Abschluss noch eine andere Frage. Am Fankongress haben Vertreter des Commando Cannstatt erwähnt, das in Stuttgart zuerst der Brustring kommt und dann das Wappen. Könnt ihr unseren Lesern vielleicht noch kurz etwas über dessen Bedeutung erzählen und ob es schon mal Versuche gab, diesem vom Trikot zu entfernen.
Pro Altes VfB-Wappen: Der Brustring verkörpert den VfB Stuttgart wie kaum ein anderes Symbol. Er hat in der Fanszene einen sehr hohen Stellenwert und auch beim Verein ist das inzwischen so präsent. So wirbt der VfB aktiv mit dem Brustring und setzt ihn immer wieder in den Fokus. Er ist seit 1925 wesentlicher Bestandteil auch der Trikots, die Idee zu diesem traditionellen Identifikationssymbol hatten damals Jugendspieler des VfB. Seitdem ist der Brustring fester Bestandteil auf den Trikots des VfB. Kein Verein setzte in all den Jahren so konsequent auf dieses Symbol. Dennoch gab es auch Bestrebungen in zu entfernen. So bestritt VfB 1975/1976 die einzige Saison ohne den Brustring. Diese Saison sollte als sportlich schlechteste Spielzeit der Vereinsgeschichte mit dem Abstieg aus der ersten Bundesliga enden. Daraufhin war das Thema ohne Brustring aufzulaufen auch wieder vom Tisch und inzwischen ist er in der Fanszene und bei den Verantwortlichen im Verein als DAS Erkennungsmerkmal des VfB Stuttgart verankert.
KBS: Wir wünschen euch alles Gute für euer Unterfangen und überlassen die letzten Worte euch.
Pro Altes VfB-Wappen: Vielen Dank für die Möglichkeit unsere Initiative auch in Fürth bekannt zu machen! Tradition muss Sieger sein – in Fürth, Stuttgart und überall!
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KBS: Hallo! Zunächst möchten wir uns bei euch bedanken, dass ihr euch die Zeit nehmt unseren Lesern einen Einblick in eure Initiative zu gewähren.
Erzählt uns doch als erstes, wie sich das VfB-Wappen über die Jahre verändert hat und mit welchem Hintergrund der Verein dies tat?